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PISA-Studie zeigt: Warum junge Bewerber falsche Erwartungen an Arbeitgeber haben

Eine aktuelle PISA-Sonderauswertung offenbart: 20% der Jugendlichen haben unrealistische Berufsvorstellungen. Für Arbeitgeber bedeutet dies neue Herausforderungen beim Recruiting.

Das Problem: Jugendliche leben in einer Berufswelt-Blase

Die OECD-Studie zeigt alarmierende Zahlen: Bei einem Fünftel der 15-Jährigen passen Berufswunsch und geplanter Bildungsweg nicht zusammen. Lehrerin werden ohne Studium, Informatiker ohne Hochschulabschluss – solche Vorstellungen sind weit verbreitet.

Besonders problematisch: „Der soziale Hintergrund hat einen größeren Einfluss auf die Bildungsambitionen eines Schülers als die schulische Leistung.“ Dies führt zu verschenkten Potenzialen und unrealistischen Erwartungen an Arbeitgeber.

  • Realitätsferne Berufswünsche: 60% der deutschen Schüler sehen keinen Bezug zwischen Schulwissen und Berufspraxis
  • Eingeschränkte Perspektiven: 50% der Mädchen und 44% der Jungen fokussieren sich auf nur zehn Berufsfelder
  • Mangelnder Praxisbezug: Weniger als die Hälfte hatte bereits Kontakt zu Arbeitgebern

Die Lösung: Proaktive Berufsorientierung als Recruiting-Strategie

Statt auf schlecht vorbereitete Bewerber zu warten, können Unternehmen selbst aktiv werden. Die OECD empfiehlt: „Arbeitgeber sollten ihre Beschäftigten ermutigen, mit Jugendlichen über ihren Beruf zu sprechen – einmal im Jahr eine Stunde lang wäre schon ein enormer Schritt nach vorn.“

Diese Strategie adressiert direkt die unrealistischen Erwartungen an Arbeitgeber, bevor sie entstehen. Unternehmen, die früh in den Dialog gehen, profitieren von besser informierten Bewerbern.

  • Mitarbeiter als Botschafter: Authentische Einblicke schaffen realistische Erwartungen
  • Praktikumsprogramme: Direkte Berufserfahrung reduziert Missverständnisse
  • Schulkooperationen: Langfristige Beziehungen zu Bildungseinrichtungen aufbauen

Langfristige Talentpipeline durch realistische Kommunikation

Unternehmen, die transparent über Qualifikationsanforderungen und Karrierewege kommunizieren, ziehen passendere Kandidaten an. Dies reduziert Rekrutierungskosten und Fluktuation bei Berufseinsteigern erheblich.

Ein mittelständisches IT-Unternehmen berichtet: Nach Einführung eines Schul-Botschafter-Programms stiegen qualifizierte Bewerbungen um 40%, während die Abbruchquote in der Probezeit um 60% sank.

  • Realistische Stellenprofile: Klare Anforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten kommunizieren
  • Frühe Kontaktpunkte: Jobmessen und Berufsinformationstage strategisch nutzen
  • Mentoring-Programme: Strukturierte Begleitung von der Schule in den Beruf

Fazit: Die PISA-Daten zeigen eine Chance für proaktive Arbeitgeber. Wer jetzt in Berufsorientierung investiert, formt die Erwartungen künftiger Bewerber und reduziert langfristig Rekrutierungsherausforderungen.

Sie sind dran: Identifizieren Sie drei Mitarbeiter, die als Berufsbotschafter fungieren könnten. Kontaktieren Sie lokale Schulen für Kooperationsmöglichkeiten. Überprüfen Sie Ihre Stellenausschreibungen auf realistische Anforderungsprofile.


Dieser Beitrag entstand nach Lektüre von him in Spiegel.de, 26.05.25:
Unrealistische Vorstellungen vom Traumberuf bei Jugendlichen