Ruediger Vogel
Wie ein Geschäftsführer die Arbeitsteilung seiner Fachbereiche steuert – daran arbeitet Ruediger Vogel. Das Modell dahinter ist das Ergebnis einer Laufbahn mit einer wiederkehrenden Frage:
Stimmt das Bild, das ein Unternehmen von sich selbst zeichnet?
Ein roter Faden zieht sich durch Ruediger Vogels Weg: Organisationen zu einem realistischen Bild verhelfen – über Fakten, auch dort, wo es vom Selbstbild abweicht. Denn wo Entscheidungen falsch liegen, fehlt oft die belastbare Grundlage.
Er kennt beide Seiten. Während des Studiums war er Trainer am Microsoft Institut; aus der geplanten Schließung des Bereichs heraus ermutigten ihn die Kollegen, ein eigenes Unternehmen daraus zu machen. Für das Vertrauen, das ihm Konzern, Kollegen und Kunden dabei schenkten, ist er bis heute dankbar. Sechs Jahre später verkaufte er sein Start-Up an ein börsennotiertes IT-Unternehmen – er weiß, wie es ist, einen Betrieb von innen aufzubauen und zu führen.
Dann wechselte er die Perspektive. Als Aktienanalyst in Frankfurt bewertete er börsennotierte Unternehmen von außen – auf Basis ihrer Pflichtveröffentlichungen und persönlicher Gespräche mit Vorständen. Seine Insider-Erfahrung und gute Vorbereitung schärften diesen Blick – auch wenn Kapitalmarktinteressen ihn gern in eine andere Richtung lenken wollten. Sein Studium ergänzte er um das Kapitalmarkt-Berufsexamen zum Certified European Financial Analyst, CEFA (DVFA/EFFAS).
Aus seinem Blick wurden Systeme. Bei der L-Bank, der Förderbank des Landes Baden-Württemberg, analysierte er komplexe Fremdfinanzierungen und entwickelte das Produkt Eigenkapitalgarantie – für Fälle, in denen ein Teil Eigenkapital stabilere Voraussetzungen für eine gute Zukunft schafft, den beteiligten Hausbanken dafür aber das Vorgehen fehlt.
Als Leiter des Steinbeis-Beratungszentrums Corporate Finance entwickelte er ein Bewertungssystem für Projektfinanzierungen und stimmte es mit den Prüfungsverbänden ab – damit es Hausbanken und Finanzierungsvorhaben voranbrachte. Über mehr als ein Jahrzehnt war er Sachverständiger für Unternehmensbewertung.
Als Geschäftsführer von Vogel & Kollegen erstellte er Sanierungsgutachten und begleitete zumeist außergerichtliche Sanierungen. Die Krisen führten selten auf Marktveränderungen zurück – meist auf unzureichende Daten und konsequentes Risikomanagement. Über eine belastbare Grundlage zu verfügen, ist eine der Kernaufgaben des Top-Managements.
Beim „Fachkräftemangel“ sah er das Muster wieder: Wer eine Stelle in Fachjargon ausschreibt, löst am Markt keine Reaktion aus – und schließt daraus, der Markt sei leer. Tatsächlich wurde der Empfänger, der Markt, nie gefragt – und ohne ihn entsteht kein Vorankommen. Genau hier setzt sein Modell an: drei Fragen, drei Indikatoren, gemessen dort, wo die Arbeit ankommt – beim Empfänger.
Heute schreibt und spricht Ruediger Vogel über Arbeitsteilung als Chefsache. Seine Überzeugung: Verhaltensmuster sind menschlich, und eine Organisation verbindet viele Menschen mit einem gemeinsamen Ziel: Aus Arbeit wird Vorankommen, wenn jeder seinem Nächsten – dem Empfänger – mit seiner Arbeit weiterhilft, ihm dient. So wird aus Arbeitsteilung etwas, das alle voranbringt und dabei Freude macht.